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Imker planen nationale Bienenbörse

Der Rückgang der Bienenvölker macht der Landwirtschaft zu schaffen. Um die Bestäubung zu garantieren, führen die Imker nun eine Bienenbörse mit Bestäubungsprämien ein.

Daniel Friedli

Die Bestäubung von Plantagen ist in gewissen Ländern ein florierendes Geschäft. Eindrücklich zeigt dies Markus Imhoof in seinem neuesten Film «More Than Honey», als er einen kalifornischen Grossimker begleitet: «So klingt Geld», sagt dieser mit leuchtenden Augen, als er dem Brummen seiner Bienen lauscht, die er gegen Geld quer durchs Land Plantagen bestäuben lässt und so reiche Ernten ermöglicht.

In der Schweiz fliegen die Bienen meist noch, ohne dass ihre Züchter dafür mehr erhalten als den Honig. Doch das Bienensterben führt auch hierzulande langsam zu einem Umdenken: Die Imker planen für diesen Frühling den Aufbau einer nationalen Bienenbörse. Auf ihr sollen Imker mit ihren Völkern Bestäubungsdienste anbieten, welche die Bauern wiederum gegen Bezahlung einer Bestäubungsprämie erstehen können.

Entstanden ist die Idee nach Klagen von mehreren Obstproduzenten, wie Robert Sieber, Vizepräsident des Verbands der deutschschweizerischen und rätoromanischen Bienenfreunde, erläutert. Diese Bauern hätten sich beim Bund beschwert, dass ihre Bäume teilweise nicht mehr genügend bestäubt werden. Das Bundesamt für Landwirtschaft habe dies den Imkern weitergeleitet, die nun von sich aus aktiv würden. Geplant ist laut Sieber eine Internetplattform, auf der sich Imker und Bauern anmelden können. Im Vordergrund stehe die gute Zusammenarbeit und nicht das grosse Geschäft. «Aber es gibt auch unter den Imkern einige, die gegen einen zusätzlichen Batzen für ihre Bemühungen nichts einzuwenden haben», sagt Sieber.

Wie gross die Nachfrage nach eingekaufter Bestäubung effektiv ist, wird sich zeigen müssen. Beim Schweizer Obstverband weiss man von dem Projekt noch nichts, auch nicht von Klagen der Produzenten. Umgekehrt melden jene wenigen Wanderimker, die es in der Schweiz schon gibt, dass die Nachfrage stetig ansteige. Er müsse immer wieder Anfragen ablehnen, sagt Jakob Künzle, der im Toggenburg mit einem Teil seiner Bienenvölker Bestäubungen anbietet. Der Profi-Imker hat daraus einen willkommenen Zusatzerwerb gemacht. Für einen Einsatz von zwei Wochen erhält er 100 bis 120 Franken pro Volk. Zur Bestäubung einer Hektare Kernobst setzt er in der Regel 8 Völker ein, bei Kirschen und anderem Steinobst sind es 6 Völker pro Hektare.

Mit der Bienenbörse will der Imkerverband diesen Service nun auch seinen 13 000 Mitgliedern erleichtern. Dazu werden derzeit noch Grundsätze, Richtlinien und Preisempfehlungen erarbeitet. So sollen etwa Imker ihre Bienen nur anbieten, wenn diese gesund sind. Der Obstproduzent umgekehrt darf seine Kulturen nicht spritzen, ohne den Imker zu orientieren. Denn viele Imker fürchten, dass der Einsatz von Pestiziden oder die Bekämpfung von Feuerbrand mit Streptomyzin ihre Tiere gefährdet und den Honig belastet. Auf Zuspruch dürfte die Initiative bei Peter Neumann stossen, dem Leiter des neuen Bienengesundheitsdienstes an der Uni Bern. «Es wäre schön, wenn man die Bestäubungsleistung der Bienen in irgendeiner Form berücksichtigen könnte», sagt er diese Woche in einem Interview.